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Du hast den Farbfilm vergessen!

Manchmal passiert es einfach: Du hättest schwören können, gestern noch einen Farbfilm eingelegt zu haben und knipst munter die buntesten Motive, die dir seit langem vor die Linse gesprungen sind, in Wirklichkeit lässt sich deine Kamera aber gerade einen Schwarzweißfilm schmecken. Ärgerlich, muss den Aufnahmen aber nicht unbedingt schaden.

Neben der Kosten- und Zeitersparnis war der Hauptgrund, warum ich vor sehr genau neun Jahren anfing, überwiegend digital zu fotografieren, dass man – ganz Lomo-entgegengesetzt – sofort sehen konnte, ob ein Bild “etwas geworden” war oder nicht. Über die langen Zeiträume, die ich manche Filme damals in meiner Kamera ausharren ließ, wusste ich beim aufregensten Sonnenuntergang oder den schönsten Grüntönen der Welt oft nicht mehr, dass ich vor vielen Wochen ja eigentlich Schwarzweißfilm geladen hatte. Und so wunderte ich mich oft abermals einige Wochen später neben dem üblichen Ausschuss über die langweiligen verwaschenen Himmelsbilder und undefinierbares Grau.
Zwar gab es fortan digital auch einige schmerzliche Speicherfehler, zerkratzte CDs, übereifriges/unbeabsichtigtes Löschen, technisches oder menschliches Versagen, die Unfähigkeit, im richtigen Moment still zu halten oder auch einfach verpasste Gelegenheiten, aber wenigstens wusste man so sehr schnell, woran man war und konnte meistens nochmal korrigieren und “nachschießen”. Soweit ich mich erinnere, habe ich nur einmal einen wunderbar farbstarken Doppelregenbogen ausgiebig im Schwarzweißmodus portraitiert ohne es zu merken und malte dann aus Trotz in Paint einfach ein paar absolut unnatürlich aussehende bunte Streifen über die silbergrauen Linien.
Nun lomographiere ich seit nichtmal drei Monaten und schon bin ich rückfällig geworden. Ich war unterwegs in Berlin und wartete am Kottbusser Tor auf eine Bahn. Der starke Kontrast zwischen dem klaren Schild und den gelblichen und zieglfarbenen Wohnhäusern sprang mir sofort ins Auge, von dort in die Finger, in meine Tasche, Kamera gezückt und verzückt: Klick. Kaum saß ich in der Bahn dämmerte es mir schon, denn den Schwarzweißfilm hatte ich am Vortag ja nicht ohne Grund eingelegt. Grummeln und inneres Anprangern meines Kurzzeitgedächtnisses. Als ich die Abzüge endlich in den Händen hielt, fand ich die Aufnahme dann auch ohne Farbe gar nicht so übel, werde das Motiv beim nächsten Berlin-Besuch aber auf jeden Fall noch einmal ablichten – und vorher genau kontrollieren, was für Material ich gerade belichte…

Photo by fakingsleep

(Nina Hagen – Du hast den Farbfilm vergessen)

Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael,
Nun glaubt uns kein Mensch wie schön’s hier war (ahaha)
Du hast den Farbflim vergessen, bei meiner Seel,
Alles blau und weiß und grün und später nicht mehr wahr!
Du hast den Farbfilm vergessen, bei meiner Seel,
Alles blau und weiß und grün und später nicht mehr wahr!

Nun sitz ich wieder bei dir und mir zu Haus,
Und such die Fotos für’s Fotoalbum aus,
Ich im Bikini und ich am FKK,
Ich frech im Mini,
Landschaft ist auch da ja

Aber, wie schrecklich!, die Tränen kullern heiß.
Landschaft und Nina und alles nur schwarz-weiß,
Micha, mein Micha und alles tut so weh,
Tu das noch einmal Micha und ich geh!

written by fakingsleep

1 comment

  1. ck_berlin

    ck_berlin

    Der eine vergisst die Filmsorte. Der andere die Batterien: http://www.lomograph(…)-schon-blod

    about 4 years ago · report as spam